TITELSEITE   AKTUELLES   AUSSTELLUNG   BUCH   PROJEKT       ÈESKY   DEUTSCH  
  |_ SCHAUTAFELN   INTERAKTIVE EXPONATE   SONSTIGES   DANKSAGUNG  
 

Zur Zeit spricht man viel über den freien Verkehr in Europa, über Arbeitssuche im Ausland, kulturellen Austausch und Bewahrung der eigenen Identität. Vielfach werden dadurch Ängste geschürt, handelt es sich doch dabei um neue und bisher unbekannte Entwicklungen. Für uns, die wir in und um Gratzen (Nové Hrady) leben, sind diese Entwicklungen aber etwas durchaus Vertrautes, denn schon in der Vergangenheit kamen viele europäische Völker in unsere Gegend und hinterließen immer wieder ihre Spuren, manchmal nur unbedeutende und längst verschwundene, manchmal jedoch auch wesentliche und nachhaltig prägende.
Es ist erstaunlich, dass die Region Gratzen (Novohradsko) in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder verschiedene Völker und nationale Gruppen angelockt hat. Es gab die unterschiedlichsten Besucher – von Soldaten über Kaufleute und Pilger bis zu denen, die ihr Glück bei uns gesucht und auch gefunden haben.
Folgen wir nun Spuren dieser Völker, wir werden dabei an die wichtigsten Entwicklungsstufen der Region Gratzen erinnern.
Bevor wir den Weg in die Geschichte beginnen, gestatten Sie mir aus dem Buch Im Tal der blauen Berge von Bohumil Šimonc zu zitieren, in dem der Autor den Begriff „Assimilation“ treffend und poetisch erklärt, einen Begriff, den wir im Rahmen dieser Ausstellung häufig verwenden werden:

„Wir haben mit Doktor Hlubuèek die Geschichte des Kreises und unsere eigene Geschichte untersucht. Der Doktor hat uns die Bedeutung des Begriffes Assimilation erklärt und wir haben darüber nachgedacht, wen die Kelten wohl geliebt („in sich aufgenommen“ oder „assimiliert“) hätten, weil es ihnen hier so gut gefallen hat, sodass sie sich auch ansiedelten. Obdie Germanen die keltischen Frauen in Ruhe gelassen hätten oder ob sie sie auch wohl geliebt („assimiliert“) hätten? Über germanische Frauen wusste man übrigens, dass sie die Slawen wahrscheinlich geliebt („assimiliert“) hätten…“

Die große Völkerwanderung führte neben Kelten auch Slawen und Germanen auf unser Gebiet, die später zu den zwei wichtigsten Sprachgruppen wurden. Man könnte sie mit heutigen Worten vereinfacht Tschechisch- und Deutschsprachige nennen. Durch die Grenznähe mussten die meisten Bewohner in dieser Region beide Sprachen sprechen. Aus Sicht der einfachen Leute war es nicht wichtig, in welcher Sprache gesprochen wurde, sondern wo man wohnte – demnach gehörte man nach Böhmen oder nach Österreich.
Neben diesen zwei Hauptnationen wurden wir aber auch von Bewohnern anderer europäischer Länder besucht.
Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde in unseren Ländern stark durch die italienische Renaissance beeinflusst, viele Künstler kamen von der Apenninhalbinsel nach Böhmen. Die Rosenberger gehörten zu großen Förderern der italienischen Kunst, so luden sie den Architekten Antonio Caneval ein, Sanierungsplänen für die Gratzener Burg zu erstellen. Zur eigentlichen Umsetzung kam es jedoch erst in der Zeit, als neue ausländische Adelige ins Land kamen, deren Wurzeln wahrhaftig als gesamteuropäisch bezeichnet werden können.
Die freien Herren von Longueval, Barone von Vaux und Grafen von Buquoy waren ein Geschlecht, das aus Nordfrankreich stammte. Im Laufe der Geschichte und der kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa gelangten sie in die Dienste des spanischen Königs und waren seine Vertreter in Hennegau in den Spanischen Niederlanden (eine Landschaft im heutigen Belgien an der Grenze zu Frankreich). In der Zeit des böhmischen Aufstandes kam Graf Karl Bonaventura Buquoy mit seinem Heer nach Böhmen, das in ganz Europa geworben wurde und dessen Stärke vor allem die Angriffskraft der „mörderischen und verfluchteten“ Wallonen war.
Graf Buquoy erhielt im Jahre 1620 die Herrschaften Gratzen (Nové Hrady), Rosenberg (Rožmberk) und Libjejitz (Libìjovice) als Ausgleich für die Anstrengungen im Krieg gegen die böhmischen Stände. Als Befehlshaber nahm er auch an den Kämpfen am Weißen Berg teil und starb ein Jahr danach bei der Belagerung von Nové Zámky in Ungarn. So kam seine aus Italien stammende Ehefrau Marie Magdalena von Biglio, Gräfin von Buquoy, nach Böhmen, um die neuen Güter zu verwalten und die durch den Krieg zerstörte Gratzener Herrschaft nach Plänen ihres Landsmanns Antonio Caneval wieder aufzubauen.
Während des dreißigjährigen Krieges begleiteten auch einige Dienstboten die neuen Adeligen nach Böhmen, die aus den Spanischen Niederlanden, aus Frankreich oder Italien stammten. 1619–1620 kamen auch einige Ungarn in die Herrschaft Gratzen, die aus ihrer Heimat vor den Türken flüchteten. In Wien stießen sie zum Heer von Graf Karl Bonaventura Buquoy und siedelten sich später in dessen südböhmischen Herrschaften an.
Der Dreißigjährige Krieg bedeutete auch das Eintreffen der schwedischen Heere. Trotz ihres relativ kurzen Aufenthalts haben sich bis heute Legenden und Erzählungen über das Toben der Heere von General Torstensson erhalten, vor allem in der Nähe von Naglitz, Weissenbach und Hohenberg.
Nach der ständigen Sesshaftwerdung der Buquoys in Böhmen im Jahre 1663 kamen auf Einladung der Grafenfamilie die französischen Glasmeister Louis Vasseur d´Ossimont und Delbon ins Land. Diese Glasmeister hoben das Niveau der Glaserzeugung und standen am Anfang der berühmten Glastradition, die im 19. Jahrhundert durch Erzeugung des Hyalith-Glases ihren Höhepunkt erreichte. Auch Vertreter anderer Nationen wanderten nach Böhmen, um hier zu handeln – so fanden in den Gratzener Bergen die Holländer die geeigneten Hölzer für die Herstellung von Schiffsmasten.
Die weitere Aufzählung der in die Gratzener Gegend gekommenen Völker ist wiederum mit Kriegereignissen verbunden – nunmehr im 18. und 19. Jahrhundert. Es kamen Heere aus Bayern, aber auch zum Beispiel aus Kroatien, und in der Zeit der Napoleonischen Kriege kamen Franzosen und Russen, die hier auf dem Weg von Italien überwintert haben.
Das zwanzigste Jahrhundert und seine Kriegskonflikte verursachten tiefgreifende Veränderungen in der Entwicklung der gesamten Region Gratzen. Der Erste Weltkrieg brachte die Entstehung des Tschechoslowakischen Staates und den verstärkten Einfluss der tschechischen Minderheit gegenüber der deutschsprachigen Mehrheit. Die Angliederung des Grenzlandes an das Deutsche Reich im Jahre 1938 und die damit verbundene Rückführung der tschechischen Bevölkerung aus dem Grenzland in das Protektorat „Böhmen und Mähren“, sowie ab 1945 die wilden Vertreibungen und die danach erfolgte Aussiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung veränderten die Lage in der kleinen Stadt an der Grenze und in ihrer Umgebung vollständig und nachhaltig. Die über Jahrhunderte hier lebende und ihren Traditionen eng verbundene Bevölkerung musste ihre Heimat verlassen und wurde durch Einwanderer aus verschiedenen Ecken Böhmens, aber auch durch Rumänen, Slowaken, Ungarn oder Bulgaren ersetzt. Einige von ihnen sind nur kurz geblieben, andere haben sich hier auf Dauer niedergelassen.
Die Entwicklungen der Nachkriegszeit führten im Jahre 1951 griechische Kinder nach Gratzen. Es handelte sich dabei um Kinder griechischer und mazedonischer Nationalität, die aus den Wirren des Bürgerkrieges in Griechenland evakuiert wurden. Aus dem ursprünglich nur kurz geplanten Aufenthalt wurden letztendlich mehrere Jahre und viele von diesen Kindern haben hier nicht nur studiert, sondern auch ihre Familien gegründet. Einige leben bis heute hier.
Wenn wir zu den schon genannten Völkern noch Roma und Juden dazurechnen, wäre das Mosaik der Völker und Gruppen, die in der Region Gratzen gelebt haben, fast komplett. Die Entwicklung ist aber freilich noch nicht abgeschlossen, bedingt durch Studium oder Arbeitssuche gelangen heute Studenten oder Arbeiter aus anderen Ländern in unsere Stadt, sie stammen aus der Ukraine, aus Weißrussland, Pakistan, den USA sowie aus anderen Ländern, anche von ihnen bleiben nur kurz, manche länger bei uns.
Die Aufzählung der Völker und ihrer Vertreter, die in der Vergangenheit die Entwicklung der Stadt mitgeprägt haben, ist ein Beweis dafür, dass die Region Gratzen nicht von Einflüssen ihrer näheren und weiteren Umgebung isoliert war. Dank des Eintreffens der Ausländer wurde die kulturelle, gesellschaftliche und bauliche Entwicklung nachhaltig und positiv geprägt. Einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt hatte die Wirkung des Adels, besonders der Grafenfamilie Buquoy, die regelmäßige Kontakte mit ihren ehemaligen Herrschaften in Frankreich und Hennegau, mit Vertretern des europäischen Adels sowie mit bedeutenden Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft sowie des gesellschaftlichen Lebens pflegte.
Weitere Kontakte ergaben sich aus der geographischen Lage der Stadt sowie aus der historischen geopolitischen Entwicklung. Auch wenn manche Besuche, besonders die von fremden Heeren, nicht mit Begeisterung begrüßt wurden, trugen sich diese in die Geschichte der Stadt ein. Auch Soldaten waren Träger von Neuerungen, sei es als überlieferte Erinnerung an den Heldenmut der Einheimischen, sei es dass sich der eine oder andere Soldat hier niedergelassen hatte oder ein „vergessenes“ Kind hinterließ.
Aufgrund der geschichtlichen Erfahrungen kann man sich heute nur wünschen, dass auch die weitere Entwicklung mehr positive als negative Auswirkungen auf die Region Gratzen mit sich bringt. Nur im Vergleich mit dem Umfeld können wir uns der Originalität der eigenen Stadt und des eigenen Kreises bewusst werden, den Besuchern die Schönheiten der Region zeigen und unsere eigene Geschichte und Entwicklung im Kontext der staatlichen sowie europäischen Entwicklung präsentieren. Diese wechselseitige Beeinflussung ist wohl damals wie heute nicht zu verhindern, die Einflüsse „von außen“ werden sind permanent gegeben. Es ist daher umso wichtiger, das Bewusstsein über unsere eigene Selbständigkeit und Einzigartigkeit zu bewahren.
Und der Ausblick in die Zukunft? Es hängt nur von uns ab, ob die richtigen von außen kommenden Impulse erkannt werden und ob wir und andere Völker aufeinander zugehen und einander - bildlich gesprochen - „lieben“ und gegenseitige Einflüsse in uns aufnehmen („assimilieren“) werden – oder nicht…

Auszug aus dem „Führer durch den Böhmerwald“ (Budweis 1888)

"Gratzen

Eine Wegstunde von der Station Gratzen der Kaiser Franz Josef-Bahn entfernt, liegt das gleichnamige Städtchen, einer der reizendsten Punkte des südlichen Böhmens.
Gratzen liegt auf einer Anhöhe von 372 m Seehöhe, die nach Nord, West und Süd ziemlich steil abfällt, nach Osten hingegen sich verflacht. Vom k. k. Postamte werden täglich zu den Eisenbahnzügen Omnibusfahrten unternommen. Der Preis zur Bahn oder zurück beträgt 40 kr. per Person. Außer auf dem Postamte sind auch bei Fr. Czernicky am Ringplatze Fahrgelegenheiten miet bar, Zweispänner 5 fl. per Tag, sowie bei A. Mayer und F. Schafranek Einspänner 3 fl. per Tag. Für gute und billige Unterkunft ist in den Gasthöfen des Al. Goldschwendt, Franz Czernitzky, sowie auch bei Josef Schwingenschlögl „Zum blauen Stern“ und „Zum grünen Baum“ gründlich gesorgt. Überall das Bett zu 40-60 kr.
Die aus 1500 Seelen bestehende Bewohnerschaft ist fast durchwegs deutsch und katholischer Konfession.
Die Beschäftigung derselben besteht zumeist in Kleingewerbe und Ackerbau. Auch findet ein Theil der Bevölkerung im Dienste des Grafen Buquoy bei der Teich und Forstwirthschaft Verdienst. Eine eigenartige Hausindustrie ist blos die der Gesundheit wenig zuträgliche Zwirnknöpfchenerzeugung, die als Handarbeit betrieben wird und der ärmeren Bevölkerung eine ziemlich dürftige Erwerbsquelle bietet, trotzdem selbst die schulpfichtigen Kinder täglich bis gegen Mitternacht bei einem dürftigen Oellämpchen arbeiten.
Gratzen ist der Sitz eines Bezirksgerichtes, Notariats und Steueramtes. Es ist ferner der Mittelpunkt der herrschaftlich Buquoy‘schen Ökonomie-, Forst- und Rentenverwaltung, bei welcher ein zahlreicher Beamtenkörper angestellt ist. An Unterrichtsanstalten besitzt es bloß eine Volks- und Bürgerschule, die in einem sehr schönen, zweistöckigen Gebäude am Ende der Postgasse untergebracht ist. An Vereinen sind erwähnenswert: Bundesgruppe des Deutschen Böhmer waldbundes, land- und forstwirtschaftlicher Verein, Casinoverein, Feuerwehr, Veteranenverein, Lehrer- und Schulfreundeverein, Verschönerungsverein und Gesangsverein.
In der Stadt befinden sich ferner 2 Aerzte und eine Apotheke. Das Klima ist ein sehr gesundes. Eine vor wenigen Jahren angelegte Wasserleitung versorgt Gratzen mit ausgezeichnetem Trinkwasser. Die gesunde und reizende Lage des Ortes, sowie die Billigkeit der Lebensmittel zieht auch alljährlich eine Menge Sommerfrischler an. Möblierte Zimmer sind zu 5 bis 8 fl. per Monat zu haben.
Die Stadt, deren Gründung in das graue Mittelalter hineinfällt, bietet vieles Sehenswerthes. Gleich am Ringplatze fällt dem Beschauer das alterthümliche Rathhaus in die Augen, ein Bau, der noch aus der Zeit der Rosenberge stammt, neben deren Wappen aber auch das gräflich-Buquoische und das städtische angebracht sind. In der guten alten Zeit tagte in demselben das hochnothpeiniche Gericht und es enthielt daher auch die Folterkammern. In neuester Zeit wurde die Stirnseite des Gebäudes renoviert.
Dem Rathhause gegenüber befindet sich die so genannte Residenz, welche die ganze Ostseite des Platzes einnimmt, vom Grafen Karl Albert Buquoy im 17. Jahrhundert erbaut wurde und in früherer Zeit Herrschaftswohnungen enthielt. Gegenwärtig sind k. k. und herrschaftliche Kanzleien in demselben unterge bracht.
Wendet man sich von der Südwestecke des Platzes, nach Westen, so gelangt man in das malerisch gelegene, die Gegend weithin beherrschende alte Schloss.
Man überschreitet zuerst den 10 m tiefen Burggraben, in welchem sich eine Edelhirschfamilie herumtummelt, und gelangt sodann in den Hauptturmr welcher mit dem Rosenbergschen Wappen geziert ist und das gräfliche Archiv enthält. Gleich beim Ein tritte sieht man eine prachtvoll ziselierte Rüstung des bei Neuhäusl in Ungarn gefallenen k. Generals Graf Karl Buquoy, des Siegers in der Schlacht am Weißen. Berge, welche derselbe von Ferdinand II. geschenkt erhalten. Im Hintergrunde sind Trophäen aus dem 30jährigen Kriege aufgestellt. Links ist das Porträt des Generals, rechts jenes seiner Gemahlin. Vor beiden befinden sich Reliquien des genannten Grafen, darunter das von Schüssen und Stichen durchlöcherte Hemd, welches er bei seinem Tode trug, ferner sein goldenes Vliess, manche vergoldete Schlüsseln eroberter Städte, Ringe, Siegel und die Lehensurkunde von Fer dinand II. In der Fensternische gewahrt man Gegen stände aus der Zeit der Rosenberger.
Durch einen gewölbten, schief angelegten Gang ge langt man in den Schlosshof, der auf der Westseite an das Hauptgebäude stößt. An demselben ist die Gedenktafel des daselbst im Jahre 1808 geborenen, 1871 in Wien verstorbenen berühmten Arztes und Professors Dr. Joh. Oppolzer angebracht. Durch einen zweiten, auf der Westseite gelegenen Turm führt ein Thor gang in das Freie. Von hier aus bemerkt man in dem Burggraben einen verschütteten Eingang, der zu einem bei Zuckenstein ausmündenden unterirdischen Wege führen soll. Die in ihren Hauptteilen noch wohl er haltene Burg enthält jetzt Beamtenwohnungen.
Südöstlich vom Ringplatze befindet sich die Kirche zu den Aposteln Peter und Paul mit dem anstoßenden Servitenkloster. Sie ist im spätgothischen Stile im Jahre 1677 erbaut; das Schiff dürfte älter sein, da es romanisierende Teile enthält. Das Kapitäl einer Halbsäule trägt die fünfblätterige Rose der Rosenberger. Die innere Ausschmückung ist reich, besonders bei der Kanzel, dem Hochaltare und dem gräflichen Emporium. In den Sechziger-Jahren wurde das Innere der Kirche mit einem Kostenaufwande von 35.000 fl. renoviert. In der Kirche ist die gräfl ich Buquoy‘sche, sowie die seit langer Zeit unbenützte Gruft der Servitenpriester. Hinter dem Hochaltare ist die Sakristei und über derselben das Oratorium, beide mit schönen Stuckplafonds.
Im unteren Klostereingange ist in Bildern die Lebensgeschichte des Ordensheiligen Philippus Benitius dargestellt. Auf der Südseite des Klosters liegt das im Stile des 17. Jahrh. gehaltene Refektorium, ein hoher Saal mit schöner Stuckarbeit, welcher einen riesigen, bis an die Decke reichenden, grünen Kachelofen enthält, welcher im J. 1775 von einem Neuhauser Töpfer verfertigt wurde. Zu ebener Erde befindet sich auch eine Bibliothek mit beiläufig 5000 Bänden. Im ersten Stocke hängt das lebensgroße Bild des Grafen Ferd. Buquoy, des Stifters des Klosters.
An der zum Bahnhofe führenden Strasse liegt das im Jahre 1801 erbaute neue Schloss. Es ist in ein fachem Renaissancestile erbaut und im Innern sehr geschmackvoll eingerichtet. Im Speisesalon befinden sich 2 alte Gemälde; das eine Gratzen vor 200 Jahren, das andere Stadt und Schloss Rosenberg darstellend. Die Besichtigung der inneren Schloss-Räume ist jedoch nur in Abwesenheit der gräflichen Familie gestattet. In nächster Nähe des Schlosses befinden sich Treibhäuser und Orangerien, zu denen auch das Publikum Zutritt hat, sowie ein sehr schöner Teich, in dessen spiegelklarer Flut sich Schwäne, sowie anderes seltene Geflügel herumtummeln.
Auf der Südseite des Schlosses breitet sich der Herrengarten aus, ein prachtvoller Park, mit hübschen, schattigen Alleen. Am östlichen Ende desselben befindet sich das aus einem Hühnerhofe, einigen kleinen Häusern und einer Eremitage bestehende Dörfl. Wendet man sich von demselben gegen Nordwesten, so gelangt man an ein gar seltsames steinernes Denkmal, nämlich zu dem eines Hundes. Die Aufschrift besagt, dass hier der treue Begleiter eines Menschen aus dem Tiergeschlechte ruhe. An der Rückseite des Schlosses liegt eine Terrasse, die einen wundersamen Ausblick gewährt. Äcker, Wiesen, Wälder, Teiche und Dörfer wechseln in bunter Folge ab, und am Horizonte ragt ein weißer Obelisk empor, welcher 34 m hoch, aus Holz gebaut ist, und zu welchem ein 2 Stunden langer Durchhau durch den Wald führt. Doch auch die Aussicht in die Ferne ist hier ungemein lohnend. Der turmgekrönte Schöninger, sowie andere Böhmerwaldriesen grüssen aus dem Dämmerblau des Westens herüber
Die Stadt war in alten Zeiten mit Wall und Graben umgeben, und 2 Thore führten in dieselbe. Das untere, an der nach Niederthal führenden Strasse gelegene, ist noch ziemlich gut erhalten.
Die Mauern sind jedoch fast gänzlich verfallen und verbaut. Der Stadtgraben ist grösstenteils in Gärten umgewandelt."

STADT NOVÉ HRADY | BÖHMERWALDMUSEUM WIEN | INSTITUT DER PHYSIKALISCHEN BIOLOGIE DER SÜDBÖHMISCHEN UNIVERSITÄT
STAATSGEBIETSARCHIV TØEBOÒ (WITTINGAU) | NATIONALES DENKMALSCHUTZINSTITUT
SÜDBÖHMISCHES MUSEUM | PORTAL NOVÉ HRADY HISTORIE
Kontakt für Fragen und Bemerkungen: webmaster@spolecnahistorie.eu